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Die Geschichte vom Soldaten

Zum Inhalt:

Ein Soldat kehrt auf Heimurlaub in seinen Geburtsort zurück und gerät zuvor in die List des Teufels, der ihm ein Zauberbuch für seine Geige anbietet. Er nimmt das Angebot des Teufels an, bei dem er auch übernachtet. Aus einer Nacht werden drei Jahre, seine Braut ist nun verheiratet und niemand erkennt ihn wieder. Das Zauberbuch ermöglicht dem Soldaten große Reichtümer, doch das Glück bleibt ihm verwehrt, bis er eines Abends mit dem Teufel Karten spielt und diesem die Geige wieder wegnehmen kann.
Ein Märchen, in seiner absurden Anti-Logik wunderbar begleitet, durchleuchtet und vielfarbig wiedergespiegelt durch Strawinskys Musik.
Die Geschichte vom Soldaten - neu in Szene gesetzt als Monolog eines modernen Kriegers.

Dieser ist eines Tages mit einem Märchen konfrontiert, zum Zeitvertreib, Urlaub vom besinnungslosen Tun, das sich zusehends als Story seiner selbst erweist, als Geschichte eines Mannes, der nach und nach alles hat: Frauen, Kleider, Wagen, Schlösser, überfüllte Tische. Alles, nur keine Identität. Die ist ihm abhanden gekommen auf dem Weg zum Wohlstand. Nach außen einsam und beziehungslos, verwickeln ihn innere Figuren in ein Zwiegespräch: Er begegnet dem „König" und der „Geliebten", die seine Hilfe brauchen. Diese befinden sich in einem erbärmlichen Zustand, sind weder tot noch lebendig. Musik schafft die Brücke zu ihnen. „Tango, Walzer, Ragtime". Doch die Idylle währt nicht lange. Eine letzte Grenze lockt: Dahinter...?

Eine moritatenhaft erzählte Geschichte von einem, der auszog...

und bald darauf auf den Teufel traf. Ein Volksmärchen? Ja, eines von heutigen Tagen; eines, in dem derjenige, der es erzählen will, bald bemerkt, das er von sich selber spricht. In den Winkeln seiner Seele hielten sie sich versteckt: Der Soldat, der Magier, der König und der große Wunsch, nicht allein zu sein. Und schließlich fragt er sich, ob das Märchen lebendig geworden ist oder sein Leben zum Märchen. Ein Gewebe aus Musik und Text, Eurythmie und Bildertheater und einzelnen Archetypen der Seele.

Gewaltsam gezogene und verteidigte Grenzen: Das verursachte die Not, in der Igor Strawinsky in seinem Schweizer Exil 1918 „Die Geschichte vom Soldaten" schuf. Nach der Vorlage eines russischen Volksmärchens entstand in Zusammenarbeit mit seinem Schweizer Dichterfreund C.F. Ramuz ein Stück für Tänzer, einen Schauspieler und kleine instrumentale Besetzung. Neben der absoluten Genialität der musikalischen Komposition besitzt auch die Geschichte bis heute größte Aktualität.

„Habe ich noch eine Heimat (im weitesten Sinne)? Wo ist das Ziel meiner  „Lebenswanderung"?: Fragen, die sich die Hauptfigur zu spät bzw. gar nicht stellt und deshalb in die Hände des Teufels gerät... Moderne Fragen mit einer klassischen Märchenlösung. Denn: Wer spricht heue noch vom Teufel - eine allegorische Gestalt vergangener Zeiten? Vielmehr erleben subtile Schattenwürfe: Auf Menschenbeziehungen, persönliche Vorhaben; Schatten, die meine Psyche verdunkeln. Vielfach sind diese Schattenwürfe Kehrseite einer Kraft, die nicht zur Entfaltung gelangt - unerlöst - der ungenutzt bleibt. Unerlöst wie König und Prinzessin - Karikaturen ihrer selbst, in deren Land unser Soldat „zufällig" gerät; ungenutzt wie die Kriegerkraft der Hauptfigur: Immer wieder lässt sie sich ablenken oder zu unheilvollen Grenzüberschreitungen verführen.

Und dahinein mündet die Geschichte: Keine Grenze gilt. Was Macht und Geld oder Vergnügen verspricht, ist legitim..."Warum eigentlich nicht?" - eine Antwort-Frage, die diesmal in die absolute Leere führt. Ein entsetzter Ruf nach Umkehr - verhallt?

So ernst das Thema ist, es bleibt viel Raum für tänzerische Leichte und skurrilen Humor, für Ausgelassenheit und inniges Gefühl - das ist die Musik Strawinskys und der Inszenierungsstils des Eurythmietheaters Fundevogel Wien!