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Fundevogel Junior: Kinder spielen für Kinder

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„Jetzt!"

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Eine Geschichte zwischen Tag und Nacht

Schneewittchen

Danubio im Traumwasser

Movimento, "...und so viel Welt !"

Die Geschichte vom Soldaten

Arbeitsteilig auf der Suche nach weiterführenden Perspektiven
Ein Bericht von Leonore Welzin

In Den Haag trafen sich vom 14. - 18. April Eurythmistinnen und Eurythmisten aus ganz Europa im Rahmen des Tapper-Projektes. Unter Federführung von Ernst Reepmaker und künstlerisch angeleitet von Rob Barendsma haben sie im Zwembad Theater Regentes Arbeitsergebnisse ausgetauscht. Die Suche nach einer weiterführenden Konzeption in der Eurythmie läuft auf Hochtouren.

Der Niederländer Ernst Reepmaker ist Leiter des Eurythmie-Theater Fundevogel in Wien. Mit der Inszenierung (Rob Barendsma) des indonesischen Märchens "Tewang Bulang und das Wünschen" haben Reepmaker und seine Mitarbeiter beachtliche Erfolge eingefahren. Nun ruht sich das Team aber nicht auf den Lorbeeren aus, sondern peilt mit Elan das nächste Stück an: MIMAGES - A Symphony in Movement, basierend auf dem holländisches Mimimärchen ‚De wonderlijke Tapper' (Der wundersame Zapfer).

Reepmaker hat das niederländische Märchen, dessen Autor unbekannt ist, vor Jahren ausgegraben. Seither kreist er den Stoff immer wieder behutsam und methodisch vielfältig ein. So bat er Ulrich Rölfing, in Anlehnung an das Märchen eine siebenteilige Bilderreihe zu malen. Den stark abstrahierenden Bildern wurden assoziativ und begrifflich emotionale Werte zugeordnet. Diese Assoziationen und Emotionen der Bilder waren Ausgangspunkt für sieben Arbeitsgruppen europaweit. Altea, Berlin, Hamburg, Järna, London und Wien sind die Stationen, an denen Rob Barendsma mit herausragenden Eurythmistinnen und Eurythmisten an neuen Perspektiven einer an der Künstler-Individualität orientierten Eurythmie gearbeitet hat.

Die tänzerische wie choreografische Beweglichkeit lässt bemerkenswerte Vorstöße erkennen. Melaine Lampson gerät im Verzicht auf eurythmische Standards - Dominanz von Armschwüngen und wiederkehrende impulsive Bewegungsansätze des Oberkörpers - in einen faszinierenden Schwebezustand von Entkörperlicht und Vergeistigt; als triebe eine Nebelschwade am frühen Morgen über ein stilles Gewässer. Philip Beaven zeigt Mut zu Beharrlichkeit und statischer Geste. Wie ein Fels in der Brandung lässt er sich nicht von den leichtfüßigen Schrittfolgen der Mitspielerinnen aus der Fassung bringen. Intensive Fall- und Sprungübungen werden von einer Gruppe junger Tänzer gezeigt. Trainiert von Alexander Seeger gleiten sie entspannt zu Boden, rollen und drehen sich temporeich übereinander, miteinander und durcheinander, erfrischend wie der Anblick springender Forellen im kristallklaren Nass.

Schön und irritierend sind die vorläufigen Arbeitsergebnisse. Marianne und Hans Fors haben aus der Spannung europäischer Melodik und afrikanischer Rhythmik einen ebenso heiteren wie zärtlich berührenden Dialog entwickelt. Kaya Kitani lässt den Schalk spüren, der hinter der Galionsfigur eines Narrenschiffes stecken könnte. Birgit Hering spielt souverän mit Facetten menschlicher Laster und Brigitte Reepmaker lässt vermuten, wie zäh und zerbrechlich zugleich ein Neuanfang, vielleicht die Geburt einer anthroposophischen Venus, sein kann.

Im Laufe der Woche wird deutlich, dass die - zunächst vordergründige - Lesart der prägnanten Erzählung immer mehr an Profil und Tiefe gewinnt. Vielschichtig und hintergründig sind die Betrachtungsweisen des Märchens. Da es im Milieu der Seefahrt auf einem Schiff spielt, könnte es einfach als Seemannsgarn gedeutet werden. Eigenartige Situationen und merkwürdige Attribute legen auch die Lesart eines surrealen Märchens nahe. Archaisch-biblische Motive und magisch vieldeutige Symbolik kommen einer mythischen Erzählung gleich. Die prozessorientierte Arbeitsweise hält interpretatorische Optionen offen.

Der Arbeitsansatz von Reepmaker, all jene ins gemeinsame Boot zu holen, die nach Innovation dürsten, ohne dabei die tradierten Werte über Bord zu werfen, hat in Den Haag Kontur bekommen. Das Tapper-Projekt bündelt wertvolle Erfahrungen und ein hohes kreatives Potential. Persönliche Gestaltungsfreiheit und zeitgemäße Aussagen stärken die forschenden Impulse der Performance-Szene nachhaltig. Wagemutig hineinhüpfen in die tiefen Wasser der Verwirrung, sich eurythmisch freischwimmen, ohne unterzugehen. Oder gar (Neu-) Land erreichen? Das ist die Frage. Dem ambitionierten Projekt ist zu wünschen, dass es gelingen möge. Auch wenn die konkrete Umsetzung, wie so oft, leider noch am seidenen Faden der Finanzierbarkeit hängt.

Mail Interview mit Leonore Welzin (.pdf)
Kritik von Leonore Welzin zur Uraufführung im Goetheanum
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