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Rhythmisch wechselt die Darbietung zwischen kabuki-artigem Puppenspiel und Eurythmie hin und her. Jeder Darsteller (be)spielt eine fast lebensgroße Puppenfigur und dessen 'Genius', der eurythmisch in der Traumwasserwelt agiert. Die Puppenfiguren Alfons Sommer und seine Frau Ada, sowie deren Sohn Alfi und die Amamma (Oma) zeigen liebenswerte Eigenarten im alltäglichen Umgang mit Wasser. Mit Hilfe von Alfons' Tochter Klara und dem Wasserwesen Danubio wird die Familie in das Traumwasser, das Ursprungsland der Träume, geführt. Im Traumwasser verwandelt sich jeder, seinen Eigenarten entsprechend, bis sich aus diesen Grotesken (Schildkröte, Zwerg, Wassermann und goldene Frucht) Märchen-Urbildfiguren befreien. Sinn dieser abenteuerlichen Verwandlungen ist die neue Verbindung zwischen den Welten 'hier' und 'dort', das Erkennen des Wertes der Traumwelt.
Alfons, der Erzähler ist selbst in der Geschichte verwickelt. Er ist wiederum der Vermittler, der einmal mit den Kindern direkt spricht, -ein andermal von der Seite weitererzählt oder den anderen Protagonisten seine Stimme leiht und dann wieder mitten drinnen im Geschehen ist.
Mit Bilder auf verborgene Fragen stoßen: Arbeit mit der Oberstufe.
Auch bei den Oberstufenprogramme gab es bis jetzt so etwas wie ein Vorspiel. Es waren Versuche in Form eines kleinen Monologes die Jugendlichen anzusprechen. Ausgehend von einem Bild, das in Richtung der Thematik des Stückes wies, wollte ich latente Fragen wecken und Erfahrungen an die Oberfläche holen. Als wir mit der Einstudierung von 'Schatten Puppen - Eine Geschichte zwischen Tag und Nacht' begannen, war das 'Drama von Lassing' in aller Munde: um den verschütteten Bergmann Georg Hainzl aus der Tiefe des eingestürtzten Bergwerkes zu befreien, waren zehn Männer im Hauptschacht hinuntergestiegen und durch neue Einbrüche ebenfalls verschüttet worden. Nach neun Tage und Nächte ununterbrochener Bohrungen wurde Georg Hainzl in der Jausenstation gefunden und aus sechzig Meter Tiefe heraufgeholt. In dem kleinen Raum hatte er die ganze Zeit im Dunkeln, sitzend oder liegend auf einem Tisch verbracht, umgeben von verseuchtem Wasser. Seine einzige Möglichkeit sich nach 'Oben' bemerkbar zu machen, waren Klopfzeichen gegen die Decke.
Das war so ein Bild, womit hingedeutet wurde auf den Zustand der Hauptfigur in unserem Stück. Der Puppenspieler Michel war seelisch ein 'Verschütteter', dessen Wesenskern in der Jugend überhäuft wurde mit Gewalt- und Lieblosigkeitserfahrungen. So ist er nun, wenn er hinter seinem Puppenkasten hervortritt, nach außen hin genauso gewalttätig. Nur über seine Puppen - es sind Seelenanteile, die sich verselbständigt haben - kann er warmherzige Gefühle äußern. Durch die teils tragischen Auseinandersetzungen mit dem Mädchen Mouche, kommt ein Verwandlungsprozeß in Michel auf.
Um auf den dramatischen Konflikt in der Seele dieses kaputten Menschen hinzuweisen, sprach ich auch einmal, in ein vor einer Aufführung abgehaltenen Oberstufenforum, über das Multiple Persönlichkeitssyndrom. Öfters versuchte ich Alltagserfahrungen zu beschreiben, die wir alle haben: im Tagesrückblick sehen wir uns selbst in einer Vielzahl unterschiedlichster Situationen andere Seiten unseres Wesens zeigend: hier ein Versager, dort ein Sieger, hier schweigend, dort ein Sprachsprudelwasser, hier oberflächig, dort intim, usw. Wie auf einer Puppenbühne lasse ich, je nach Situation eine andere 'Puppe' auftreten. Wann bin ich Ich-Selbst? Eine solche Frage, wenn sie die Schülergruppe annehmen konnte - und das war jedesmal ein Risiko - gab eine Fokussierung der Aufmerksamkeit für das Stück und für die Art, wie wir den SchülerInnen Eurythmie Theater präsentierten.
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